Buchrezension zu “Zukunftslust – die Kultur der kritischen Zuversicht” von Katharina Ehrenmüller und Patrick Rammerstorfer

Buchrezension zu “Zukunftslust – die Kultur der kritischen Zuversicht” von Katharina Ehrenmüller und Patrick Rammerstorfer

Seit ziemlich genau zwei Jahren bin ich offizielle Botschafterin, nämlich vom Ministerium für Neugier und Zukunftslust. Klingt gut, oder? Ist es auch! Was es mit dem Ministerium auf sich hat, wie Neugier und die Lust auf Zukunft zusammenhängen, kann man jetzt nachlesen: Im Buch “Zukunftslust – die Kultur der kritischen Zuversicht” von Katharina Ehrenmüller und Patrick Rammerstorfer. Hier ist meine Rezension zum Buch für dich. 

Über das Buch und die Autor*innen

Patrick Rammerstorfer und Katharina Ehrenmüller sind Unternehmer*innen, Zukunftsdenkende und Neugierenthusiasten. Im Jahr 2022 haben sie das Ministerium für Neugier und Zukunftslust gegründet, eine Non-Profit-Initiative der Unternehmensberatung proactive im österreichischen Linz. Das selbsternannte Ministerium möchte Menschen “dazu ermutigen, ihre Neugier,  Kreativität und Zukunftslust neu zu wecken, zu entdecken und zu stärken” (S. 73).

Das Buch „Zukunftslust – die Kultur der kritischen Zuversicht” ist 2025 im Selbstverlag erschienen. Es hat 199 Seiten und kostet 35 Euro. 

Das Manifest für Neugier & Zukunftslust

Einblicke ins Buch

In ihrem Debütwerk widmen sich die Autor*innen den Begriffen, die für das besagte Ministerium stehen: der Neugier und der Zukunftslust. Damit zusammenhängende Konzepte wie Zuversicht und Serendipität werden genauso erarbeitet, wie das allgemeine Verständnis von Zukünften.

“Was ist möglich – und wie bringen wir es zum Leben?”

Die Zukunftslust ist kein grenzenloser Optimismus, sondern die bewusste Entscheidung für die eigene Handlungsfähigkeit. Sie folgt aus der Überzeugung, dass Zukunft gestaltbar ist, dass es einen Möglichkeitsraum gibt, den jede*r beeinflussen kann (der Fachbegriff dafür lautet “Possibilismus).

“Wie funktioniert das? Warum ist das so? Wie hängen diese Dinge zusammen?

Neugier wiederum wird beschrieben als der Drang, Unsicherheit aufzulösen und das Unerwartete zu erklären. Die sogenannte Epistemische Neugier stellt komplexe, abstrakte Fragen und motiviert uns, aktiv Informationen zu suchen, zu lernen, Theorien zu bilden und Zusammenhänge zu verstehen. Sie ist eng verknüpft mit Lernmotovation, Kreativität und Innovationsfähigkeit.

“Wir müssen Fortschritte als Verschiebung und nicht als Aufkündigung der Normalität verstehen lernen.”

Neben der ausführlichen Begriffsklärung haben mir auch die praktischen Bezüge im Buch sehr gefallen: Im Kapitel “Zukunftslärm” gibt es eine differenzierte Betrachtung zum Thema KI und generell dem Hype Cycle technologischer Entwicklungen.

Am Ende des Buchs stellen die Autor*innen außerdem fünf Futuriohacks vor: Praktische Übungen, mit denen du immer wieder neue Horizonte eröffnen kannst. 

Drei Dinge, die ich beim Lesen dieses Buchs gelernt habe

1. Menschen nutzen individuell unterschiedliche Zugänge, um sich die Zukunft zu erschließen. 

Im Buch verwenden die Autor*innen eine Analogie zu Kreativitätstypen, um die Denk- und Arbeitsweise von Zukunftskünstler*innen zu veranschaulichen. Zum Beispiel: 

  • Der Aquarellist plant voraus, bevor ein finaler Zukunftsentwurf strukturiert “aufs Papier” gebracht wird.
  • Der Zeichner macht erst einen groben Plan, der dann immer wieder verändert wird. Sein Zukunftswerk ist skizzenhaft und kreativ. 
  • Der Ölmaler entdeckt die Zukunftsleinwand durch viele Pinselstriche und künstlerische Überarbeitungen.

2. Zukunftsmut ist psychologisches Kapital

Als psychologisches Kapital wird eine innere Ressource bezeichnet, die u.a. aus Zuversicht, Vertrauen und dem begründeten Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten besteht. Zukunftsmut als psychologisches Kapital kann berechnet werden und ganz realen, materiellen Fortschritt schaffen (im Buch gibt es sogar eine Formel dafür!). Er zahlt messbar auf mentale Gesundheit, persönliche Entwicklung und Innovationsfähigkeit ein.

3. Es macht einen Unterschied, wie wir über die Zukunft sprechen.

Es lohnt sich, uns selbst genauer zu beobachten, in welche Art und Weise wir über die Zukunft sprechen und welche Botschaften wir damit über sie senden – an uns selbst und an andere Menschen.

Tipps für “guten Zukunftssprech”:

  • Angemessene Tonalität hinsichtlich Satzbau, rhetorischen Stilmitteln, Zielgruppen- und Kontextorientierung.
  • Passender Abstraktionsgrad, je nach aktiver oder passiver Beteiligung des handelnden Subjekts.
  • Kritisch argumentativ und hinterfragend (statt euphorisch oder untergangsrethorisch).

Lieblingszitat

“Die Zukunft wartet nicht. Sie findet laufend statt. Sie ist schon da, in jeder Minute die wir durchleben.” (S. 88)

Zusammenfassende Einschätzung

Mittlerweile habe ich einige Bücher über Zukünfte gelesen und hier trotzdem einige neue Perspektiven hinzugewinnen können. Das Buch ist fundiert und leicht verständlich geschrieben, erklärt relevante Begriffe und macht Lust, sich näher mit der Ministeriums-Initiative zu beschäftigen. Es ist ein gutes Einstiegswerk für Zukunftsinterresierte und eine neue Perspektive für erfahrene Zukünfte-Denker*innen.

Zum Vertiefen:


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Ein Gedanke zu “Buchrezension zu “Zukunftslust – die Kultur der kritischen Zuversicht” von Katharina Ehrenmüller und Patrick Rammerstorfer

  1. Vielen Dank für die Rezension, ich finde es immer wieder spannend, was du alles zu Zukunft und Utopien findest. Bei Formeln bin ich zwar skeptisch, aber insgesamt bin ich neugierig geworden auf das Buch!

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