
Vom 18.-20. Mai hat die “re:publica Berlin” stattgefunden. Sie ist das Festival für die digitale Gesellschaft und bringt seit 2007 Europas bedeutendste Stimmen unserer Zeit zusammen. In diesem Jahr habe ich mich wieder durch die online Videos und Live-Streams geschaut. Hier sind meine Top 3+1 Empfehlungen rund um Zukünfte und Utopien für dich.
Das Festivalprogramm der re:publica besteht traditionell aus unterschiedlichen Formaten: Vorträge auf großen und kleineren Bühnen, Workshops, Makerspaces, Messestände. Auf dem YouTube Kanal werden die Talks der großen Bühnen im Nachgang als Aufzeichnung zur Verfügung gestellt. An dieser Stelle danke an die Veranstalter, dass es diese Möglichkeit der asynchronen Teilnahme gibt! Aus den Programmpunkten, die ich mir bereits online angesehen habe, möchte ich dir drei zum Thema Zukünfte und Utopien empfehlen. Und am Ende gibts noch einen Bonus-Tipp.
Auch das noch? Die Zukunft scheint immer düsterer: Wir erzählen, welche Ideen, Innovationen und Science Fiction uns gegen die Weltuntergangsstimmung geholfen haben.
Im Podcast “Auch das noch?” von DIE ZEIT sprechen die Politikredakteurin Petra Pinzler und Wissenschaftsredakteur Stefan Schmitt über Krisen der Gegenwart. Jede Folge schließt mit dem sogenannten “Beam” ab, einem positiven Ausblick zum jeweiligen realen Ausgangsproblem. In ihrem re:publica Talk stellen die Podcast-Hosts einige dieser positiven Zukunftsentwürfe vor. Da geht es z.B. um Luchse im Thüringer Wald und künstliche Wolken aus Meerwasser. Bei den Beams geht es um wünschenswerte Beispiele, die der guten Zukunft Raum geben und uns ins Handeln bringen können – sozusagen kleine Utopien. Denn auch im positiven gibt es soziale Kipppunkte, nämlich dann, wenn genug Menschen an eine Idee glauben und daran mitwirken, sie Wirklichkeit werden zu lassen.
Wird alles immer nur schlimmer? – Warum wir uns (ausnahmsweise) auf die Zukunft freuen dürfen!
In dieser Live-Ausgabe von „Studio 9“ – dem Debatten-Podcast von Deutschlandfunk Kultur – wird der Spieß umgedreht: Die Medizinethikerin Alena Buyx schaut auf wissenschaftliche Fortschritte und Chancen – und sie hat etliche davon im Gepäck! Cornelius Poller, Leiter der ZEIT im Osten, beantwortet die Frage, warum wir uns vor den Landtagswahlen nicht fürchten müssen. Und die Historikerin Hedwig Richter holt aus unserer Geschichte Handlungsanleitungen für Wege aus der Krise.
Einig sind sich alle:
- Wir sind hungrig nach guten Nachrichten.
- Die Demokratie ist schon ein Grund für sich, um optimistisch zu sein.
- Die Zukunft ist immer offen. Unsere Fortschrittserzählungen brauchen eine Erneuerung, damit wir diesen Gestaltungsraum gemeinsam nutzen können.
Radikal hoffnungsvoll: Denn unser Hirn gibt niemals auf.
Die Neurowissenschaftlerin Maren Urner setzt in ihrem Talk der Angst etwas entgegen: Die Hoffnung.
Hoffnung ist biologisch mit Gehirnscans abbildbar, in einer Gehirnregion, die bei Angst aktiviert und bei Hoffnung gedämpft wird. Hoffnung ist demnach eine Art zu Denken – und die kann man trainieren. Sind das nicht gute Neuigkeiten?
Weitere Pro-Argumente für das Hoffen:
- Hoffnungsvolle Menschen sind überzeugt, das Leben sei bedeutsam.
- Hoffnung wirkt positiv – auf das Individuum und auf die Gesellschaft.
- Hoffnung ist ansteckend.
Zum Abschluss stellt Maren Urner drei Beispiele von existierenden Initiativen vor, die Hoffnung stiften. Und sie schließt mit dem Gedanken: Stellen wir uns mal vor, Hoffnung wäre populär. Wäre das nicht schön?
+1 für das Manifest der Hoffnung
Als Bonus möchte ich dir das “Längste Manifest der Hoffnung” empfehlen, das von der Kreativaentur ZENTRANORDEN initiiert wurde. Es ist kein Vortrag, sondern eine künstlerische Installation, an der Teilnehmende der re:publica live mitgewirkt haben, indem sie den Satz „2030 wird geil…“ mit ihrer Vision für eine bessere Zukunft vollendet haben. Jede Idee materialisierte sich vor Ort als gedruckter Beleg und online als virtuelles Manifest – ein wachsender, kollektiver Mutmacher.
(Beitragsfoto: Gregor Fischer/re:publica)
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